In Memoriam Edmund Effenberger

26/04/2017, 00:00 - 03/05/2017, 23:59

In Memoriam Edmund Effenberger

Am Ostersonntag, am 16.4.2017, verstarb Edmund Effenberger im Alter von 91 Jahren. Er war nicht nur Ehrenmitglied des Bundesverbandes der Landsmannschaft Weichsel-Warthe (LWW), sondern zählte auch zum Urgestein der LWW.
Geboren wurde Edmund Effenberger am 18.6.1925 in Lodz (Łódź). Er achtete stets darauf, daß man diese große Tuchmacherstadt in Mittelpolen in dieser Form schrieb. Mich wies er zu Beginn seiner Tätigkeit darauf hin, daß die Deutschen in Lodz den Namen so schrieben und nicht Lodsch, wie es anfänglich die nationalsozialistischen Eroberer 1939 taten, ehe die Stadt in Litzmannstadt umbenannt wurde.
Seine schulische Ausbildung erhielt Edmund Effenberger in seiner Heimatstadt, der er zeitlebens eng verbunden blieb. Anschließend folgte eine Ausbildung zum Industriekaufmann, nach der er 1943 zur Wehrmacht eingezogen wurde.
Bei Kriegsende geriet er in britische Kriegsgefangenschaft. Wegen seiner Sprachkenntnis trat er 1948 in den Dienst des britischen Militärs als Dolmetscher und Übersetzer bei der Control Commission Germany. Von März 1949 bis September 1971 stand er im Dienst der britischen Rheinarmee im NATO-Hauptquartier in Mönchengladbach in der Arbeits- und Personalverwaltung. Hier machte er sich verdient und wurde im Jahr 1967 von Königin Elisabeth II. mit dem „The Most Excellent Order of the British Empire“, mit der 5. Stufe eines „Member (MBE)“ ausgezeichnet (siehe WW 2/1968, S. 3). Dieser britische Verdienstorden wurde 1917 von König Georg V. gestiftet. Es ist der Jüngste der britischen Ritterorden und der am häufigsten verliehene, da mit ihm auch Angehörige fremder Staaten ausgezeichnet werden können.
Seit September 1971 bis zu seiner Pensionierung im Juni 1988 war Edmund Effenberger Angestellter und seit 1976 leitender Angestellter in der Stadtverwaltung der Stadt Mönchengladbach.
Schon früh engagierte sich Edmund Effenberger auch im Bund der Vertriebenen (BdV) und war seit 1950 Leiter der Landesgruppe NRW der Deutschen Jugend des Ostens (DJO). Seinen Einsatz in der Jugendarbeit setzte er in der LWW fort, deren Bundesjugendreferent er von 1958 bis 1960 und von 1961 bis 1979 er war.
Auch in der Landsmannschaft Weichsel-Warthe war er aktiv und gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen und auch hier leitete er seit 1951 als Landesjugendwart die LWW-Jugendgruppe. Zudem war er bei der Betreuungs- und Eingliederungsarbeit, insbesondere junger, heimatloser Jugendlicher tätig. Diese Funktion übte er bis 1960 und erneut von 1968 bis 1974 aus. In der Blütezeit umfaßte der Verband 16 Jugendgruppen. Auch in der Folgezeit war er weiterhin sehr aktiv in den Gremien der DJO und der LWW tätig.
Sein besonderes Interesse galt dem „Archiv der Deutschen aus Mittelpolen und Wolhynien“, das er 1963 mit dem ehemaligen Leiter des Lodzer Stadtarchivs und späteren Düsseldorfer Regierungsdirektors Otto Heike (1901-1990) in Mönchengladbach gründete. Seit 1960 war er gemeinsam mit Heike im Arbeitskreis für das Heimatarchiv und im Patenschaftsausschuß der Deutschen aus dem Lodzer Industriegebiet tätig. Im Jahr 1963 übernahm die Stadt Mönchengladbach die Patenschaft über das neu gegründete Archiv, das Edmund Effenberger vom November 1977 bis 2009 ehrenamtlich leitete, ehe es dann von der Stiftung Martin-Opitz-Bibliothek übernommen wurde (siehe WW 4/2010).
Das Archiv basiert auf den Sammlungen von Adolf Eichler, Otto Heike, Adolf Kargel, Julian Will und anderen. Nach der Unterbringung in Viersen und Mönchengladbach wurden die Unterlagen zum Bereich Wolhynien 1975 an den Historischen Verein Wolhynien e.V. abgegeben, die nun wieder vereint im Bestand der Opitz-Bibliothek lagern. Die Bibliotheksbestände sind mehrheitlich über den Verbundkatalog östliches Europa recherchierbar. Das Sammelgut, bestehend aus einer der umfangreichsten Ansichtskartensammlung zu Lodz und Umgebung, sowie Dokumenten aller Art, ist recht vielfältig und soll zukünftig noch besser dokumentiert und digitalisiert werden.
In zäher Kleinarbeit hat Effenberger über 15.000 Exponate aus dem Fluchtgepäck der Deutschen zusammengetragen, darunter sehr alte Dokumente aus der Gründungszeit. Aufopfernd mit großem Fleiß schuf er dieses Archiv, das bei Familienforschern und Wissenschaftlern sehr beliebt war. Edmund Effenberger selber hat die Geschichte des Archivs unter dem Titel „40 Jahre Archiv der Deutschen aus Mittelpolen und Wolhynien 1963-2003“ aufgearbeitet (siehe WW 6/2004).
Im Jahr 1974 übernahm Edmund Effenberger den Vorsitz der Heimatkreisgemeinschaft Lodzer Industriegebiet und war auch Herausgeber dessen Mitteilungsblattes „Information“. Im Jahr 2005 fand das letzte Lodzer Heimattreffen in Mönchengladbach statt und der Verein wurde altersbedingt aufgelöst, da sich kein neuer Vorstand fand.
Edmund Effenberger hat an vielen Publikationen mitgewirkt, so u. a. an dem Gemeinschaftswerk „Erfahrung und Zeugnis der Deutschen aus Polen“ (1987) und dem historisch wertvollen Buch „Lodz – Gelobtes Land“ (1988). Weiterhin sind Beiträge im „Kulturwart“ der LWW und im „Jahrbuch Weichsel-Warthe“ zu nennen.
Aufgrund seines großen Wissens wurde er 1991 Mitglied der Historischen Kommission für die Geschichte der Deutschen in Polen.
Auch in der LWW war er von Anfang an tätig. In den 1970er Jahren war er Vorsitzender der Kreisgruppe Dülken, wo er bis 1972 wohnte, ehe er nach Viersen zog. Im Bundesvorstand war er nicht nur als Bundesjugendreferent tätig, sondern auch von 1982 bis 2005 Vorsitzender des Heimatkreisausschuß Mittelpolen. Die Bundesversammlungen der LWW leitete er von 1967 bis 1994 sechszehn Mal.
Auch in den landsmannschaftlichen Stiftungen war er tätig. Über viele Jahre war er stellvertretender Vorsitzender der Dr. Kurt-Lück-Stiftung und Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Kulturwerk Wartheland.
Bei so einem aktiven ehrenamtlichen Engagement ist es nicht verwunderlich, daß Edmund Effenberger dafür hohe Ehrungen erhielt. Bereits am 31.5.1969 erhielt er die Silberne Ehrennadel der LWW und 1998 wurde er Träger des Dr. Kurt-Lück-Preises der LWW. Am 19.5.2006 wurde er Ehrenmitglied des Bundesverbandes.
Auch die Stadt Mönchengladbach ehrte ihren langjährigen Mitarbeiter und in den Stadtgrenzen im Rahmen der Patenschaft für das Archiv Tätigen. Am 28.9.2005 wurde ihm die Goldene Ehrennadel der Stadt Mönchengladbach verliehen.
Mit Edmund Effenberger verliert die Landsmannschaft Weichsel-Warthe einen treuen Freund und Mitarbeiter. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie sowie allen Angehörigen und Freunden, die ihn vermissen werden.
Dr. Martin Sprungala


Die Martin-Opitz-Bibliothek wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Die Stadt Herne trägt ca. ein Drittel des Finanzbedarfs; der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) unterstützt die MOB mit einem jährlichen Zuschuss.