Oberschlesien transkontinental
Migration Land-Stadt-Migrationen im globalen Norden, Süden und Osten
Gemeinsam mit der Jagiellonischen Universität Krakau (Dr. M. Jarząbek) durchgeführtes Projekt, das durch die Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung (100-2025-00911) gefördert wird (2025-2028)
Bearbeiter an der RUB: Dr. Andrzej Michalczyk
Ostmitteleuropa wird nur selten in globalhistorische Studien einbezogen und als Teil der globalen Dynamik behandelt. Das Projekt fragt wie und in welchem Grade Menschen aus Oberschlesien an globalen Prozessen der "Verstädterung" teilgenommen und zur Ausbreitung urbaner Lebensstile beigetragen haben oder diesen fernblieben.
Die historischen Wurzeln der heutigen gesellschaftlichen Polarisierung zwischen "Eliten" und "einfachen Leuten", zwischen "Intelligenz" und "Ungebildeten" waren bereits in den 1940er bis in die 1970er Jahren zu erkennen, als eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung in städtische Umgebungen zog - wie in den für die Studie vorgeschlagenen Ländern Polen, Westdeutschland, Brasilien und den USA.
Heute sind viele Menschen in diesen Ländern empfänglich für populistische Botschaften. Daher will die Studie will Schlüsselaspekte für das Verständnis von Erfahrungen "einfacher Menschen" aufzeigen. Gefragt wird danach, ob die Migration vom Land in die Stadt mit traumatischen Erfahrungen, mangelnder Anerkennung, Minderwertigkeitsgefühlen und dem Kampf gegen soziale "gläserne Decken" einherging. Oder bedeuteten die neuen Einkommensmöglichkeiten in den Städten (auch für Frauen) mehr Freiheit und Respekt?
Die in Deutschland lebenden Menschen aus Oberschlesien oder ihre Nachkommen (etwa 1,5 Millionen) tauchen weder in Einwanderungsstatistiken noch als kulturell bedeutsame Gruppe im Bewusstsein der deutschen Gesellschaft auf. Gleichzeitig werden die Oberschlesier in Polen immer noch als eine "national unsichere" Gruppe, als "getarnte deutsche Option" wahrgenommen. Zudem will das Projekt die transkontinentalen Verbindungen dieser Region untersuchen.

