Hilfskomitee der Galiziendeutschen e.V.

Das Hilfskomitee der Galiziendeutschen e.V. wurde 1946 gegründet und ist organisiert im Diakonischen Werk der EKD.

1772, mit der 1. Teilung Polens, kam Galizien zu Österreich. Kaiser Joseph II erließ 1781 ein Toleranzpatent und 1782 das Ansiedlungspatent, welches „eine gänzlich vollkommene Gewissens- und Religions-Freyheit“ zusicherte.

In den Jahren 1782-1785 zogen daraufhin 3.216 deutsche Familien mit 14.669 Personen, hauptsächlich aus der Pfalz stammend, nach Galizien. Weitere Einwanderungen fanden zwischen 1802–1848 statt.
Die deutschen Siedler wurden überwiegend in geschlossenen Dörfern, sogenannten Kolonien, angesiedelt. In einer Zeit, in der die Religionszugehörigkeit ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal war, lebten sowohl katholische als auch evangelische Siedlungen ihr eigenes Leben. Sie lebten in gutem Einvernehmen mit ihren Nachbarn, den Polen, die römisch-katholisch waren, mit den Ukrainern, die griechisch-katholisch waren und mit den Juden.

Aufgrund des „Hitler-Stalin-Paktes“ im Jahre 1939 entschieden sich fast alle Deutschen in Ostgalizien für eine Umsiedlung ins Reich. Nach ihrer Ansiedlung im Warthegau und ihrer Flucht 1945 vor der Roten Armee in den Westen fanden sie eine neue Heimat in ganz Deutschland und viele in Übersee.
Die besondere Aufmerksamkeit der Galiziendeutschen galt und gilt der Bewahrung des Kulturgutes, seiner Sammlung, Archivierung und Auswertung. Mit dem galiziendeutschen Heimatarchiv liegt zur Geschichte und Kulturgeschichte der Galiziendeutschen eine singuläre Heimatsammlung vor in Dokumentationen, in Nachlässen, Büchern, Periodika, in Bildern und Archivfilmen.

Daraus lassen sich fast alle Fragen beantworten
• Einstige Auswanderung aus Südwestdeutschland
• Ansiedlung in Galizien (Josephinische Kolonisation)
• Das Leben, Schaffen und Sterben
• Geschichte des Landes Galizien und des galizischen Deutschtums
• Kultur der Volksgruppe
• Arbeit und Nöte der Kirchen und der deutschen Schulen,
• über herausragende Persönlichkeiten und ihr Lebenswerk,
• familienkundliche Zusammenhänge;
• über die Umsiedlung 1939/40 und die spätere Flucht 1945

Insbesondere die Sammlung von systematisch aus Archiven in der Ukraine und in Polen beschafften Archivfilme ist im Vergleich der Heimatsammlungen einzigartig. Genannt seien hier z.B. die Lemberger Pfarramts- und Superintendentialakten von 1778-1939 aus dem Zentralen Historischen Archiv in Lemberg (Lviv).

Um die Transparenz und die Zugänglichkeit der zuwachsenden Bestände für die Forschung und wissenschaftliche Aufarbeitung dauerhaft zu gewährleisten, haben Vorstand und Vertrauensleute des Hilfskomitees der Galiziendeutschen unser Archiv im Jahre 2011 an die Martin-Opitz-Bibliothek in Herne übergeben. Das Findbuch kann im Volltext durchsucht werden.

Nähere Informationen zu unserem Verein finden Sie unter: www.galizien-deutsche.de


Die Martin-Opitz-Bibliothek wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags.

Die Stadt Herne trägt ca. ein Drittel des Finanzbedarfs; der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) unterstützt die MOB mit einem jährlichen Zuschuss.