Dossiers

Stanisław Mikołajczyk

Als Ministerpräsident der polnischenExilregierung im 2. Weltkrieg und Vizepremier Polens nach Kriegsende ist Stanisław Mikołajczyk einer der berühmtesten Ruhrpolen.

Geboren am 18.07.1901 in Holsterhausen, dem westfälischen Herne, kehrte Mikołajczyk 1908 mit seiner Mutter auf den elterlichen Hof in Posen zurück. Dort aufgewachsen betätigte er sich schon als Jugendlicher in der patriotischen Organisation Sokół . 1920, also ein Jahr nachdem Polen seine Unabhängigkeit erlangte, kämpfte Mikołajczyk bis 1921 in der polnischen Armee im polnisch-sowjetischen Krieg. Nach einer Verletzung bei Warschau wurde er jedoch ausgemustert und half fortan den Familienhof zu bewirtschaften.

Ab 1921 schriebStanisław Mikołajczyk nicht nur für einige Agrar- und Bauernzeitschriften, sondern begann auch, sich in der polnischen Bauernpartei (Polskie Stronnictwo Ludow, PSL) zu betätigen. Schließlich wurde er, nach der Belegung einiger Ämter in der Provinzialregierung, 1933 als jüngster Abgeordneter in den Sjem der Republik Polen, also eine der beiden Kammern der polnischen Nationalversammlung, gewählt. Dies war der Beginn seiner politischen Karriere in der Republik Polen.Mikołajczyk wurde 1935 stellvertretender Vorsitzender des Exekutivkomitees der PSL und 1937 schließlich auch ihr Parteivorsitzender.Dieser Aufstieg gipfelte schließlich in seiner Ernennung zum Premierminister nach dem Tode Sikorskis. Der Weg dorthin war jedoch holprig: So setzte sich Mikołajczyk als aktiver Gegner des autoritären Regimes, das nach dem Tode von Jozef Pilsudski 1935 in Polen errichtet wurde, ein und schloss sich 1939 nach dem deutschen Angriff auf Polen der polnischen Armee an, nahm an der Verteidigung Warschaus Teil, musste nach dessen Eroberung nach Ungarn fliehen und wurde dort interniert.

Nach seiner erneuten Flucht nach Paris wurde er gebeten, sich der polnischen Exilregierung als stellvertretender Vorsitzender der des polnischen Nationalratsanzuschließen. So wurde Mikołajczyk 1941 auchzum Innenminister und stellvertretenden Premierminister unter Wladislaw Sikorski. Nach dessen Tode erfolgte somit die Ernennung zum Premier.

Doch obwohlMikołajczyk sich in seiner Einzugsrede, die durch britische Hilfe in das besetzte Polen ausgestrahlt werden konnte, als resolut zeigte und seine Ziele einer „soziale[n] Demokratie, die nicht nur politische, religiöse und individuelle Freiheiten wahrt, sondern auch die soziale und wirtschaftliche Freiheit“ klar deutlich macht, stand die Exilregierung vor großen Herausforderungen. So schwanten ihre Mitglieder zur Zeit seiner Amtseinführung in dem Bewusstsein, dass nicht die westlichen Alliierten, sondern die Sowjetunion das besetzte Polen befreien würde.

Dazu kam noch die Befürchtung, Stalin plane Polen den Kommunismus aufzubürden und Teile Polens mit ukrainischer oder weißrussischer Bevölkerungsmehrheit einzunehmen.

Durch diese Dissonanz wurde besonders das Massaker von Katyn 1943 zu einem mit Spannung aufgeladenem Konfliktpunkt: Die deutsche Reichsregierung hatte gemeldet, dass die Wehrmacht im Wald von Katyn Massengräber mit den Leichen polnischer Offiziere gefunden hatte. Die Sowjetunion wies diese Meldung als Fälschung ab, und während die Westalliierten nicht öffentlich widersprachen, verlangte Polens Exilregierung unter Mikołajczyk Aufklärung. Dies reichte der Sowjetunion als Anstoß, um der polnischen Exilregierung die Anerkennung und Souveränität zu entziehen, und so eine neue sowjetische Führung für das zukünftige Polen aufzubauen.

So scheiterte im Juli 1944 auch der Versuch der westlichen Alliierten, allen voran Churchill, Gespräche zwischen Mikołajczyk und Stalin in Gang zu setzten. Diese zerfielen an den unüberbrückbaren Meinungsdifferenzen:Man konnte sich weder über die Verantwortung am Massaker von Katyn, noch über die europäischen Nachkriegsgrenzen einigen. Dazu verlangte Stalin den Anschluss des bisherigen Ostpolens an die Sowjetunion in Austausch gegen deutsche Gebiete.Mikołajczyk weigerte sich nicht nur diesen Vorschlag anzunehmen, sondern forderte auch, dass Stalin keine kommunistische Regierung im kommunistischen Nachkriegspolen einsetzten dürfe.

Als Stalin einer Koalitionsregierung für die befreiten Gebiete Polens, der „Provisorischen Regierung der Nationalen Einheit“ , zustimmte, trat Mikołajczyk im November 1944 als Premierminister der Exilregierung zurück und kehrte als zweiter stellvertretender Premierminister und Minister für Landwirtschaft in der neuen polnischen Regierung nach Warschau zurück.Die Mehrheit der polnischen Exilanten wähnte sich in Argwohn und Renitenz, hervorgerufen durch die Überzeugung, die neue Regierung sei eine bloße Fassade, hinter welcher Polen von der Herrschaft des Kommunismus oktroyiert wurde. Durch diesen Argwohn und diese Missgunst konnte die Exilregierung weiterexistieren, obwohl die Westmächte ihr schon längst die Legitimität abgesprochen hatten.

Mikołajczyk begann direkt damit, die PSL zu revitalisieren, welche innerhalb weniger Monate zur

stärksten Partei in der „Provisorischen Regierung der Nationalen Einheit“ heranwuchs. Dabei half ausgerechnet die radikale Landreform, die von den Kommunisten durchgesetzt wurde. Dies hatte jedoch zur Folge, dass die Kommunisten vorab alles daran setzten, freie Wahlen zu verhindern, und bei den Volksabstimmungen im Juni 1946 schließlich das Wahlergebnis einer zwei-Drittel-Mehrheit der PSL ins Gegenteil verkehrte. So wurden die Mitglieder der PSL auch nach dieser Wahlfälschung im Juni 1946 bis zu den Parlamentswahlen im Januar 1947 gnadenlos verfolgt. So bekam die PSL, obwohl jeder wusste, dass es sich um massiven Wahlbetrug durch das von den Kommunisten beherrschte Innenministerium handelte, nur 28 Sitze im Parlament, während der kommunistische demokratische Block ganze 394 bekam.

So legte Stanisław Mikołajczyk schließlich das Amt des stellvertretenden Premierministers nieder,schied aus der Regierung aus und verließ Polen im April 1947, in den Augen der polnischen Exilregierung als Verräter, um einer drohenden Verhaftung zu entgehen. In die USA emigriert wurde Mikołajczyk bis 1946 Vorsitzender der „Internationalen Bauerngewerkschaft“, der „Grünen Internationale“, in welcher er in die USA emigrierte Bauern aus den Ländern Mittel-Osteuropas vertrat.

Stanisław Mikołajczyk starb am 13.12.1966 in Washington D.C. Seine sterblichen Überreste wurden im Jahr 2000 nach Polen überführt, im Warschauer Königsschloss öffentlich aufgebahrt, und schließlich in Posen beigesetzt.

Seine Dokumente werden an der Hoover Institution on War, Revolution andPeace an der Stanford-Universität in den USA aufbewahrt.

  • Mehr zu Stanisław Mikołajczyk können Sie in Wolfgang Viehwegers

„Stanislaw Mikolajczyk : Kämpfer für die Freiheit“ nachlesen.

http://kat.martin-opitz-bibliothek.de/vufind/Recor...http://kat.martin-opitz-bibliothek.de/vufind/Cover/Show?author=Viehweger%2C+Wolfgang&callnumber=2014.8440&size=large&title=Stanislaw+Mikolajczyk+%3A+K%C3%A4mpfer+f%C3%BCr+die+Freiheit&recordid=0426273&source=Solr&isbn=3933059518



Die Martin-Opitz-Bibliothek wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Die Stadt Herne trägt ca. ein Drittel des Finanzbedarfs; der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) unterstützt die MOB mit einem jährlichen Zuschuss.