Dr. Wolfgang Kessler: Das schlesische Zeitschriftenwesen und die Zeitschrift "Schlesien"

15 SEPT 2016, 19:00 - 21:00

Dr. Wolfgang Kessler: Das schlesische Zeitschriftenwesen und die Zeitschrift "Schlesien"

Die heimatvertriebenen Schlesier haben bald nach der Vertreibung in den westlichen Besatzungszonen hektographierte Rundbriefe herausgegeben, aus denen seit 1949 fast flächendeckend Heimatblätter für Orts- und Kreisgemeinschaften entstanden sind, die zum großen Teil bis heute erscheinen, allerdings durch Leserschwund in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht sind.

Seit Ende der 1940er Jahre kamen landsmannschaftliche Blätter wie »Der Schlesier« und »Unser Oberschlesien« hinzu, dazu zahlreiche Mitteilungsblätter von Regionalgruppen der Landsmannschaft Schlesien. Bis in die 1970er Jahre erschienen berufsständische Blätter mit landsmannschaftlichem Bezug.

Seit Mitte der 1950er Jahre gab der Göttinger Arbeitskreis mit dem »Jahrbuch der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau« ein wissenschaftliches Jahrbuch zur schlesienbezogenen Forschung hinaus, daneben setzten das »Jahrbuch« und das »Archiv für schlesische Kirchengeschichte« die Ende des 19. Jahrhunderts bzw. 1935 begonnene Tradition der evangelischen bzw. katholischen Kirchengeschichtsschreibung fort. 1985-2009 hat das »Oberschlesische Jahrbuch« versucht, wissenschaftliche Defizite in der auf Oberschlesien bezogenen Forschung zu überwinden. Seit 1998 bzw. 2004 erscheinen mit «Schlesien heute« und »Silesia nova« neu konzipierte deutschsprachige auf Schlesien bezogene Periodika, die es nicht leicht haben, sich gegen die Bedrohung durch digitale Zeitschriften zu behaupten.

1956 hat Karl Schodrok als Leiter des Kulturwerks Schlesien mit der Vierteljahrschrift »Schlesien« versucht, der Bildungsschicht der Schlesier eine Zeitschrift für schlesische Literatur und Kunst anzubieten. Er erweiterte damit die Konzeption der von ihm 1925 bis 1943 herausgegebenen Zeitschrift »Der Oberschlesier« auf – wie es im Untertitel hieß – „Nieder-, Ober- und Sudetenschlesien“. Er konnte dabei in den zwei Jahrzehnten, die er die Zeitschrift geleitet hat, auf Autoren aus der Vorkriegszeit, auch aus der jüdischen Emigration nach 1933, zurückgreifen. Sein Nachfolger Eberhard Günther Schulz stand, was Autor(inn)en und Leser(innen) betraf, vor Herausforderungen, die letztendlich zur Einstellung der Zeitschrift nach 1996 geführt haben. Das 2014 erschienene, vom Referenten erarbeitete systematische Gesamtinhaltsverzeichnis erschließt erstmals systematisch den Inhalt der 41 Jahrgänge.

Der Vortrag bietet einen Überblick über die unterschiedlichen schlesienbezogenen Periodika in Deutschland seit 1945, zeigt deren Leistung und fragt nach der Zukunft von landschaftsbezogenen Zeitschriften außerhalb der thematisierten Region zwischen Leser(innen)schwund und Digitalisierung.

Dr. Wolfgang Kessler, Studium der Osteuropäischen Geschichte und der Slavistik, Magisterprüfung 1973 an der Ruhr-Universität Bochum, Promotion 1978 an der Universität Düsseldorf, 1976-1979 Bibliothekar der Bücherei des deutschen Ostens (Herne), 1973/74 und 1979/89 wissenschaftlicher Mitarbeiter bzw. Hochschulassistent an den Universitäten Köln, Düsseldorf und Marburg, 1989-2011 Direktor der Stiftung Martin-Opitz-Bibliothek (Herne). Rahserstr. 8, 41747 Viersen, T. 02162/5020392

Die Martin-Opitz-Bibliothek wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags.

Die Stadt Herne trägt ca. ein Drittel des Finanzbedarfs; der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) unterstützt die MOB mit einem jährlichen Zuschuss.